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Im Schatten 32, im Wasser 23 Grad, 12 Sonnenstunden am Tag und nur 1 Regentag im Monat, das ist Kreta im Frühling. Die sonst eher karge Insel zeigt sich in dieser Zeit von ihrer schönsten Seite. Die weit verbreitete Hektik ist fast überhaupt nicht zu finden, im Gegenteil, oftmals hat man gerade in der Landesmitte, weit ab vom Massentourismus, das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Aber auch an den Küsten sind die Menschen freundlich und das Wort Gastfreundschaft wird hier noch groß geschrieben - auch Bikern aus Deutschland gegenüber.
Ursprünglich sollten sich ja mindestens 1 ½ Dutzend Bikes der Marke HD auf die Reise machen, je näher der Abfahrtstermin jedoch rückte, umso mehr trennte sich - aus den verschiedensten Gründen - die Spreu vom Weizen. So blieben am Ende - immerhin noch - 7 Freunde samt Gefährt übrig, die sich auf die gut 3-wöchige Reise wagten. Unsere besseren Hälften zogen den komfortableren und vor allem viel kürzeren Transport im Pauschi-Bomber vor.
Da man die meißte Zeit der mehr als 3-tägigen Anreise sowieso auf dem großen Salzteich verbringt, galt es in erster Linie die gut 500 km bis Venedig unbeschadet zu überstehen. Mit einer Zwei-Etappen-Strategie waren wir letztendlich auf der sicheren Seite und fuhren deshalb bereits einen Tag vor dem Ablegen der Fähre los (bei einigen alten Mühlen weiß man ja irgendwie nie, was hinter der nächsten Kurve als nächstes passiert). Kurz hinter Trient - am Lago di Caldonazzo - beendeten wir unsere 1.Etappe standesgemäß feuchtfröhlich. Feuchtfröhlich ging es auch am 2ten Tag weiter, aber diesmal leider von oben: Petrus öffnete alle Schleusen und die italienischen Alpen zeigten sich bis kurz vor Venedig von ihrer dunkelsten Seite.
Und trotzdem, es war Sonntag der 11.Juni um 17 Uhr, als sieben gut durchgespülte Harleyfahrer (na gut, einer musste kurzfristig wegen Vergaserproblemen noch auf ein asiatisches Modell umsteigen) versuchten auf einen Fähre der Minoan Lines einzuchecken, was sich wegen der ebenfalls durchgeweichten, fast unleserlich gewordenen Reisetickets etwas problematisch gestaltete. Apropos Fähre, der Pott war verdammt groß und mit allen Schikanen eines Kreuzfahrtschiffes ausgestattet: Swimming-Pool, Sonnendeck, Spielsalon, Restaurants, Disco und etliche Bars. Damit uns kurz vor Korfu nicht schon der Hals trocken bleibt, hatten wir bei der Rederei bereits im Vorfeld 17 extra Paletten Amstel und Heineken geordert - die rechnen nämlich nicht mit durstigen Bikerkehlen! Spass beiseite, allein die Überfahrt war schon Urlaub pur: tagsüber am Pool sonnen und abends eine kleine Pressbetankung oder al gusto auch umgekehrt!. Nach anderthalb Tagen unterbrachen wir unsere Kreuzfahrt in Patras, wo wir dem örtlichen Harley Dealer - zwecks Devotionalien-Einkauf - einen kurzen Besuch abstatten, bevor wir uns über den Pelepones über die Old Road auf nach Piräus machen. Abgesehen von ein paar Touristenorten am Anfang, ist die Route megageil zum Biken, da man ständig am Meer entlangpöttert. Besonders sehenswert ist auf halber Strecke der Kanal von Korinth, den wir auf einer versenkbaren Brücke überquerten. Um nicht völlig auszutrocknen, legten wir hier eine kurze Rast ein und sahen wie die großen Pötte hier zentimetergenau durchgeschleppt wurden. Kleiner Tip: Kurz vor Piräus schleunigst auf die bessere New Road wechseln, das schont Nerven und Motor! Als wir am späten Nachmittag im wahrsten Sinne des Wortes im Hafen von Athen einliefen, war es heiß, sehr heiß, so heiß, dass man das Gefühl hatte permanent mit einem Heißluftfön maltretiert zu werden. Die Kreta-Fähre war zwar schlaftechnisch nicht so der Hit, doch die Überfahrt dauerte zum Glück nur noch schlappe 12 Stunden und schmälerte unsere Vorfreude keineswegs.
Als wir am darauffolgenden Morgen den Sonnenaufgang über unserm Zielgebiet geniessen durften, während wir uns langsam dem Hafen von Iraklion näherten, ahnte noch keiner, dass kurze Zeit später eine Kupplung die Grätsche machen würde. Nachdem wir uns im Schiffsbauch beim Entladen der Bikes erstmal unsere Ration Kohlenmonoxid abgeholt haben, schafften wir gerade mal ein paar hundert Meter. Nach Zerlegen der Rivera Pro Clutch diagnostizierten wir eine mit Aluspänen zerfräste Kupplungsgrundplatte und somit das vorzeitige aus der Celtic Low. Mist, dachten wir, doch Hilfe war sogleich in Form eines freundliche Griechen zur Stelle. Er zeigte uns den Weg zu Kostas Spiridakis, dem örtlichen Harley-Schrauber, den ich - wie sich später rausstellte - noch von meinen früheren Kreta-Reisen als BMW -Mechaniker aus Mires kannte. Heute hat er eine gut eingerichtete Werkstatt unweit vom Hafen und repariert alle zweirädrigen Klassiker: Enfield, BMW, HD, usw.. Auch Peters Rivera Pro Clutch macht er innerhalb weniger Stunden wieder flott und der Urlaub konnte nun wirklich beginnen.
Ab hier hieß es helmet laws suck und die letzten 60 km durch eine atemberaubend schöne Landschaft Richtung Südküste entschädigen uns für den außerplanmäßigen Nothalt. Fahren ohne Helm ist cool, das ist klar, aber fahren ohne Helm auf Kreta kühlt nicht nur die Birne sondern ist zudem auch gefährlich. Der Asphalt ist entweder arschglatt oder gar nicht existent, da empfiehlt es sich besser mit Hirn zu fahren als nachher letzteres von der Straße zu kratzen!!!
Ende Teil 1 / Teil 2 folgt in Kürze
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Facts & Prices:
Hinfahrt
Preis pro Bike für Hin- und Rückfahrt für alle Fähren: 157,- DM
Preis pro Person, Deckpassage für alle Fähren: 286,- DM
Unterkunft in gut ausgestatteten Pensionen: 30,- DM/Tag pro Person
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