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Chopper & Custom Show in Padua

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Dass Italien durchaus mehr zu bieten hat als Pasta, guten Wein und ein angenehmes Klima, davon konnte man sich auf der größten europäischen Bike Expo im norditalienischen Padua überzeugen. Mehr als 200 Händler und Aussteller aus 9 Ländern präsentierten auf über 60.000qm neben den üblichen Biker-Accesoires ihre aktuellen Customizing-Projekte. Was man in den 5 Hallen vom 14. bis 16. Januar zu sehen bekam, ließ einem das Wasser sprichwörtlich im Munde zusammenlaufen. Dabei standen die italienischen Bikeschmieden den Customizing-Pionieren aus USA und Deutschland in Nichts nach. Kein Wunder, denn Italien ist in Sachen Harley längst kein Entwicklungsland mehr. Vorbei die Zeiten, als man sich nur mit Ersatz-Zündspule und Reserve-Unterbrecher über den Brenner traute. Der Markt boomt heute mehr denn je, das ist nicht zu übersehen. Neben den lizenzierten Numero Uno Händlern haben sich mittlerweile eine Reihe erstklassiger Harley-Schrauber etabliert. Es wundert dann auch nicht, dass der "Best of Show" Preis an Punto Moto aus Bergamo ging. Die Jury vom Freeway Magazine bezeichnete die "Eclipse Softail" als das herausragendste Custom-Bike der diesjährigen Show. Das High-Tech Bike im Low Rider Look gewann auch in der Kategorie "Best Paint Job".

Besonders auffällig waren die Arbeiten von American Wheels aus Brescia. Ihren goldfarbenen Hybriden, der demnächst auch die Hauptrolle in einem noch geheim gehaltenen Hollywoodstreifen spielen soll, konnte man getrost als das futuristischte Bike der Ausstellung bezeichnen ­ James Bond lässt grüßen. Bodenständige, aber nicht minder bemerkenswerte Arbeiten, waren bei Carlo Colombo von American Road zu sehen. Seine Creationen heimsten schon so manchen Pokal ein. Nicht zuletzt deshalb wird er von Francesco Drago, Custom Chrome Italien, als der bedeutenste HD-Guru jenseits der Alpen angesehen. Bezahlbare, aber doch einzigartige Harleys zu bauen, dafür steht das "House of Kustom" Team aus Pisa gerade. Bei ihrem, auf den ersten Blick, schnörkellosen FXR-Projekt "Devil Inside" liegt der Teufel im Detail. Angesichts der horenden Preise, die jenseits des Brenners für Bikes und Zubehör der Marke Harley Davidson berappt werden müssen, erscheinem einem die 40.000 Mark, die sich die Teufelsjungs als Gegenwert vorstellen, zwar nicht unbedingt für jedermann bezahlbar, aber doch gerechtfertigt. Eher typisch amerikanisch gestylte Maschinen gab es bei Bobber Cycles aus Sardinien zu bestaunen.

Trotz vereinheitlichter europäischer TÜV-Richtlinien ­ ja ja, auch hier sind die Zeiten wild um sich customizender Biker dahin - wirkten die italienischen Exponate insgesamt etwas verspielter als die restliche Konkurrenz. Dass man sich bei manchen Kompositionen aus Lack und Stahl trotzdem fragen musste, ob italienische TÜV-Beamte sehschwächer sind als ihre teutonischen Kollegen, ist nur damit zu erklären, dass Gesetzestexte in Italien von den Executiv-Organen immer noch etwas legerer gehandhabt werden als hierzulande. Viva Italia!

Besonders stolz waren die Veranstalter Paola und Francesco auf das Kommen der ganz Großen. Auch wenn diesmal feste Größen wie Walz Hardcore Cycles wegen interner Angelegenheiten passen mussten, so war die Show mit Fred Kodlin, Jesse James (West Coast Choppers) und dem Daytona Bike Week Promoter Jimmy Trotta (Ice Cream Man From Hell) international hochkarätig besetzt. Obwohl auf dieser Seite des Teichs nicht so bekannt wie Meister Ness, war der kalifornische Fender-Gott und letzter lebender Abkömmling des berüchtigten Revolverhelden heiß begehrt. Ein Interview mit Jesse gestaltete sich angesichts zahlreicher Foto- und Autogrammjäger äußerst schwierig. Was dabei so aus ihm raussprudelte ­ Amis sind ja bekanntlich äußerst freundlich und redselig ­ wird in einer unserer nächsten Ausgaben verraten. Fred Kodlin kam natürlich nicht ohne "Purple Hooter", ein Bike, welches wir bereits in der Mai-Ausgabe ausgiebig vorstellten und das bei den Tifosi viel Aufsehen erregte. Auf ein neues Kodlin-Projekt müssen wir uns noch bis Ende des Jahres gedulden. Obwohl Fred sich verständlicherweise sehr bedeckt hielt, können wir schon so viel verraten: es soll eine megageniale Neuerung in puncto Bremstechnik sowie eine Menge Metal-Work geben. Natürlich waren auch auch die wichtigsten europäischen Teilelieferanten zugegen: Custom Chrome, W&W Cycles, Magnum (France), Performance Machine, J&P (USA), Zodiac, SJP (Niederlande).

Wem's in der Veranstaltungshalle zu Country-mäßig zuging (ist ja nicht unbedingt jedermanns Geschmack ), für den gab's nur eins: Biologie-Nachhilfe in der Sexy Show! Schschschhhhade nur, dass ein Presseausweis hier nicht so recht zieht. 10.000 Lire war uns das dann doch nicht wert, zudem es ja auch sonst unter den 45.000 Besuchern einiges zu sehen gab.

Zwei wertvolle Tips für potentielle Besucher im nächsten Jahr: Wer sich nicht im Auto den Arsch abfrieren möchte, sollte unbedingt vorher ein Zimmer reservieren, denn die Hoteliers machen in der Nebensaison gerne selber einen auf Urlaub. Und wer sich¹s zeitlich leisten kann, sollte sich einige Tage mehr freinehmen, denn ein leckeres Mittagsmahl in den Colli Euganei ­ das sind die einzigen Berge, sorry hügelartige Erhebungen, weit und breit ­ oder ein Abstecher mit dem Zug ins nahe Venedig (nach nur 30 Minuten steht man mittendrin, ohne nervigen Parkplatzstress) gehören zum Messe-Ausgleichsprogramm für gestresste Biker und deren einkaufssüchtige Begleiterinnen.

Also: Ci vediamo nel anno prossimo a la 07. Chopper & Custom Show a Padova.

 



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